Glauben im Sinne von Religion und Wissen im Sinne von Wissenschaft. Das sind völlig verschiedene Dinge. Das spielt sich auf anderen Ebenen ab. Glaube wird immer direkt als "Ich glaube, dass..." abgestempelt. Dabei ist es auch ein Gefühl, etwas Unterbewusstes. Natürlich werden sämtliche religiöse Behauptungen "unsinnig", wenn man mit einem wissenschaftlichen Blick an die Sache herangeht. Aber mir persönlich gibt der Glaube ein Stück Hoffnung und Geborgenheit. Damit meine ich keine alten Bücher von Verfassern, die mir nichts bedeuten. Nichts, dass mich in meinem Glauben festlegt oder mich sogar von meinen Mitmenschen trennt.

Ich glaube einfach an eine höhere Macht - nicht unbedingt einen biblischen Gott. Vielleicht weil es einfach ist, daran zu glauben. Vielleicht auch, weil es mir Trost spendet. Aber es schadet keinem. Diese "höhere Macht" ist in meinem tiefsten Innern und meinem Unterbewusstsein mit mir verbunden.

Ich stelle mir alles als eine Art "Schnur" vor. Von jedem Menschen gehen unsichtbare "Schnüre" aus - jeder Schnur steht für ein Gefühl oder einen Ausdruck. Diese Schnüre können sich mit denen der anderen Menschen verbinden und verbundene Schnüre können auch reißen. Für mich ist das Leben ein großes Geflecht dieser Schnüre. Und wenn ich sterbe, stelle ich mir vor, dass diese Schnüre verbleiben - wo genau, das weis ich nicht.

Mein "Glaube" gibt mir nichts vor. Mein Verhalten und den Umgang mit Menschen schon gar nicht. Das sind Eigenschaften, die man ständig weiterentwickeln und anpassen sollte. Das kann gar nicht in einem Buch stehen.

Ansonsten vertraue ich voll und ganz der Wissenschaft und lebe weiterhin meinen "Glauben", solange dabei andere Menschen weder seelisch noch physisch leiden müssen.

Und den größten Respekt habe ich vor Menschen, die für ihr Glück nur die Wissenschaft benötigen. Oftmals möchte man einfach glauben und vertrauen. Aber diese Menschen gehen den schwereren Weg, geben sich nicht zufrieden und sind auf einer lebenslangen Suche. Ich bin froh, dass ich da meinen eigenen "Glauben" habe, der jene Teile zu füllen vermag, die ein anderer sich mit "Ich weis es nicht" beantworten müsste. Wie gesagt, so viel kritisches Hinterfragen verdient große Anerkennung.