Für mich gibt es immer zwei Seiten etwas wahrzunehmen.

Die erste Seite ist: Ja ich weiß wie schlimm es in solchen Gegenden ist. Ja ich weiss wie mit einem Menschenleben dort umgegangen wird. Ja ich weiss, wie grauenhaft Menschen dort behandelt werden.

Das ist die Seite die ich im Geschichtsunterricht, bspweise, mitbekomme.
"Och ja. Schlimm die KZs. Grauenhaft. Blab Bla Bla." Danach geht man in die Pause und redet weiter über Ballerspiele.
Darunter fallen, meiner Einschätzung nach, 99% aller Schüler drunter und 90% aller "Erwachsenen" (Leute die im Leben stehen seit mehreren Jahren, also keine 20 Jährigen selbstbetitelten Erwachsenen die Kunsthistorik studieren)
Die andere Seite ist: Ja ich habe gesehen wie schlimm es in solchen Gegenden ist. Ja ich habe gesehen wie mit einem Menschenleben dort umgegangen wird. Ja ich habe gesehen wie grauenhaft Menschen dort behandelt werden.

Das ist die Seite die ich durch das Internet und durch eventuelle Besichtigungen solcher Stätten (KZs,...) mitbekomme.
"Holy Fuck. Das ist ja alles wirklich passiert. Das hätte auch ich sein können."
Danach geht man weder in die Pause, noch geht man mit dem gleichen Gefühl wieder raus, wie man es nach der Geschichtsstunde machen würde.
Selbst nach meinen nun 5 Jahren aktiven Internet Zeiten, auf allen möglichen Seiten, bekomme ich immer noch einen Klos im Hals, nachdem ich solche Videos gesehen oder an solche Stätten war.

Gerade für den größten Teil der Masse, die nie in ihrem Leben in ein Kriegsgebiet gehen werden. Schon gar nicht in eins, wo Menschen auf offener Straße erschossen werden, sind solche Videos die einzige Möglichkeit mit der Realität in Berührung zu kommen.
Texte lesen und Geschichten hören hat da weder die gleiche Wirkung wie solch ein Video, noch kann es ansatzweise Gefühle und einen Änderungswillen hevorrufen wie es Videos oder die wirkliche, ungeschönte und unveränderte Realität können.

Und ja Emotionen sind wichtig! Sehr wichtig!
Spenden und Bürgerbewegungen werden NUR von den Gefühlen der Masse bewegt. Wenn es die Masse nicht intressieren würde, ergo keine Gefühle vorhanden wären, dann würde weder für temporär populäre Unglücke wie Haiti oder Indonesien gespendet werden, noch für konstante unpopuläre Unglücke und Misstände wie [ÜBERALL AUF DER WELT].
Vollkommene Objektivität ist deswegen nicht angebracht. Und sollte deswegen kein Ziel unserer Bestrebungen sein beim Umschwung zu helfen.

Wenn unsere westliche Welt eine noch gefühlslosere und verblendetere Masse wäre, dann würde sich ÜBERHAUPT nichts verändern mit unserer Unterstützung. (Ich sage bewusst nicht "Hilfe", da wir weder genug tun, noch genug tun können, noch wir den Ausschlag geben für Änderungen in deren Gebieten)