Zunächst einmal sollte bedacht werden, dass Vorgänge, die sich auf die Psyche eines Menschen auswirken, meist längerfristig sind. Das ist bei den meisten Dingen im Leben so: Wer eine Diät macht, ist nicht übermorgen dünn, wer trainiert, ist nicht sofort Ronnie Coleman und wer damit beschäftigt ist, sein Leben grundlegend zu ändern, um seine Lebensqualität zu verbessern, wird nicht am nächsten Tag aufstehen und angesehen sein.

Stellt euch eine kleine Pflanze vor. Mit guter Erde, genug Sonnenlicht und Nährstoffen wird sie auch wachsen. Ist sie aber andauerndem Stress und schlechten Vorrausssetzungen ausgesetzt, wird sie nicht gedeihen. Bei uns wären diese Faktoren unsere Mitmenschen, unser Umfeld. Jeder kann versuchen, sich mit anderen Leuten zu verstehen, sich zu ändern, sein Leben in die Hand zu nehmen. Aber diese Chance muss ihr Umfeld diesen Leuten auch bieten.

Denn wieso sollte ich mich anstrengen, mit anderen Menschen auszukommen, wenn ich sowieso immer ein's auf den Deckel bekomme ? Besonders anfangs ist es ziemlich schwer, sich aus einer Rangordnung zu befreien. Es gibt einfach Umfelder (wie bei uns auf der Schule), bei denen man auf eine freundliche Aktion auch eine freundliche Reaktion zurückbekommt. Steht man allerdings schon anfangs unter "Dauerbeschuss" der Mitmenschen/Mitschüler, wird man immer größere Hemmungen und Ängste haben, mit anderen Leuten in Kontakt zu treten. Man wird anfangen, Leute allgemein zu hassen, schlecht drauf zu sein.

So wären wir bei einem Menschen, der, ohne dass er schuld ist, der Gesellschaft schon als junger Mensch den Rücken zukehrt. Und nur wegen diesen paar "Mobbern" wird er anderen Menschen nicht mehr offen entgegentreten können - wodurch diese ihn z.B. "seltsam" finden und schlecht reagieren. Das Ganze ist dann ein unendlicher Kreis von schlechten Gefühlen, die anderen Leuten auch schlechte Gefühle bereitet, sodass sie sich fernhalten werden.

Es ist auch eine Tatsache, dass das Gehirn sich umstellt, wenn es nur schlechte Gefühle im Leben erfährt. Es ist dann wirklich so, dass man an schönen Dingen kaum mehr Freude empfindet und nur noch durch schlechte Dinge Gefühlsschübe bekommt. Das kann man als "normaler" Teil der Gesellschaft auch gar nicht verstehen, wenn man es nicht weiß. Man weiß nicht, wie man mit Freude umgehen soll und möchte die "gewohnten" (schlechten) Gefühle empfinden. Soetwas muss man jahrelang in einem guten (ihr kennt ja jetzt das Pflanzen-Beispiel) Umfeld aufarbeiten und selbst dann bleibt immer etwas davon zurück. Durch Mobbing nimmt man einem Menschen die Chance, zu sehen, dass man mit freundlichem Verhalten Mitmenschen in die gleiche Stimmung bringen kann. Dass viele Reaktionen der Mitmenschen darauf aufbauen, wie man sich selbst ihnen gegenüber verhält.

All das braucht man für ein glückliches Leben und es ist wirklich schlimm, einen Menschen kaputt zu machen. Die Mobber müssen tiefe psychische Probleme haben. Diese sollten sie aber selbst in den Griff bekommen und nicht andere dafür büßen lassen.