
Zitat von
hardtecs4u.com
Killerspiel-Gesetze schaffen Amokläufer
Die Kriminalisierung von Computerspielern erreicht neue Ausmaße und scheint nun endgültig in die Köpfe eingebrannt zu sein, nachdem erste Diskussionen vor einigen Jahren schrittweise verstummt sind ohne etwas zu ändern. Diesmal scheint die Politik aber nicht nachgeben zu wollen. In atemberaubenden Tempo werden mehr Amokläufer geschaffen, als jemals existiert haben. So könnte auch Hard Tecs 4U nach dem Wunsch der Politiker schon bald zur dunklen Seite der Macht gehören. Schließlich testet man hier seit Anbeginn mit besagten Killerspielen. Ob deswegen die Redakteure gleich Amok laufen?
Um schutzbefohlenen Mitbürgern, die noch nicht über genügend Lebenserfahrung verfügen, den Zugang zu erschweren, existieren schließlich seit geraumer Zeit schon zahlreiche Mittel. Indizierung und die freiwillige Selbstkontrolle sind wohl die bekanntesten. Wie die Wikipedia treffend schreibt, bezeichnet ersteres die Aufnahme von jugendgefährdenden Medien auf eine Liste, die bewirkt, dass diese Titel nicht mehr uneingeschränkt verbreitet werden dürfen und im freien Handel nicht einfach zugänglich sind. Abgeschwächt arbeitet die Altersfreigabe, die Inhalte noch einmal kategorisiert und für Jugendliche entsprechend ab 6, 12, 16 oder 18 Jahren einordnet.
Beide Maßnahmen zielen auf den Schutz der Jugend, die bedingt durch ihr Alter noch nicht zwangsläufig als gebildet genug betrachtet werden können, um die kritischen Aussagen in den Medien entsprechend einordnen und selbst kritisch betrachten zu können. Dies begründet sich natürlich auch darin, dass in dieser Zeit ja erst noch über die Schulbildung entsprechende Kenntnisse erworben werden müssen.
Damit existieren nun zwei ausreichende Mechanismen, um Minderjährige vor Gewaltdarstellungen zu schützen, wie auch die Netzeitung ausführlich darlegt. Wo ist also das Problem? Richtig, die Durchsetzung. Bisher nicht nachhaltig gelöst, soll der Mangel nun umgangen werden, indem gleich die komplette Herstellung verboten wird. Durften also bisher lediglich Jugendliche nicht mehr auf Killerspiele zugreifen, müssen in Zukunft auch Millionen erwachsene Spieler auf das abendliche Geballer vor dem Bildschirm verzichten. Stattdessen sollten sie ihren Frust über die Mehrwehrtsteuererhöhung, den Straßenverkehr, den Chef oder oder die Ehefrau lieber bei einer Runde Tetris ablassen. Schließlich ist die Vorstellung von Killertetris wesentlich abstrakter. Klötzchen mit Texturen aus der Realität sind hier immerhin noch die Seltenheit.
Gleichzeitig berichtet die Süddeutsche Zeitung von einer Untersuchung des Verhaltens von Jugendlichen im direkten Kontakt mit Killerspielen, die schließlich unter sehr schwammigen Bedingungen belegen will, dass Killerspiele die Aggressivität fördern. Gleichzeitig steht aber auch die Frage im Raum, wie stark aggressivere Menschen eher zu derartigen Spielen tendieren als "friedlichere". Fraglich ist auch, wie das Verhalten sich ändert, wenn gleiche Personen über den ermittelten Zeitraum statt der Killerspiele etwa die Siedler oder Autorennen gespielt hätten.
Offensichtlich tendiert die Politik zunehmend dazu, unerwünschte Auswüchse aus der Gesellschaft herauszuverbieten. Nicht erwünschte Gruppen werden auf Kosten anderer kriminalisiert und zu potenziellen Verbrechern degradiert. Aufgrund einiger Weniger, wird millionen Menschen unterstellt, sie seien unerkannte Amokläufer. Gleiches Vorgehen kennt man aus der Terrorpolitik. Gesetze werden zunehmend missbraucht, um die Gesellschaftsordnung und Politik zu schützen und nicht die Menschen, die in ihr leben.
Dass Gesetze eine Rahmenordnung für ein gemeinsames Zusammenleben darstellen und nicht die Ausmaße gesellschaftlicher Du-sollst-nicht-Gebote einnehmen dürfen, wird gern vergessen. Grundlage für eine Gesetzgebung muss immer noch der Glaube an die menschliche Vernunft bleiben. Der Glaube, der durch einseitige Medienberichterstattung zunehmend zerstört wird. Katastrophen verkaufen sich eben besser als positive Nachrichten.
Für den Fall, dass Killerspiele verboten werden — was man beim aktuellen Stand noch nicht hofft — stellen wir uns schon einmal die Frage, mit welchen Benchmarks dann aktuelle Hardware untersucht werden soll. Killerspieler als Antrieb für Technologie und Fortschritt, als einziger Grund für millionen Menschen, sich jedes Jahr aufs Neue die aktuellste teuerste Hardware in das Gehäuse zu stecken. Killerspiele als Arbeitgeber für unzählige Software-Entwickler, Designer, Ingenieure, potenzielle Amokläufer. Wenn schon die Spieler zu Amokläufern werden können, was passiert dann erst in den Köpfen derer, die sich so schreckliche Szenarien auszudenken vermögen? Zeit für die Gedankenpolizei.