Fangen wir an mit der
Story:
Sie ist super, meiner Meinung nach. Exzellente Geschichte, über die Entwicklung eines Teenagers (egal ob 25, der hat sich definitiv wie 16 aufgeführt) zum Erwachsenen, der mit ernsten Situationen konfrontiert wird.
Die Charaktere der Hauptstory, allen voran Vaas Montenegro, sind sehr gut durchgearbeitet, und sie haben definitiv eine Persönlichkeit, und sind nicht nur ein Holzklotz mit Namen, anders als die Nebencharaktere. Fast alle sahen gleich aus, ich habe das Gefühl die haben für die ganze Population der Inseln nur 6 Charaktermodelle zur Verfügung gehabt. Glaubwürdigkeit sieht anders aus.
Ich mag besonders durchgedrehte Charaktere, unberechenbare (deswegen hat es mich gefreut, dass in der Story mehrmals Alice im Wunderland zitiert wurde, dort ist der Inbegriff von Wahnsinn enthalten), weswegen ich Vaas von Anfang an genial fand, besonders als Gegenspieler.
Der Spannungsbogen, hingegen, sackte bei mir sofort ab, nachdem...
Ich habe mir da gedacht, "nun, das Spiel hätte jetzt vorbei sein können, und ich wäre zufrieden gewesen", aber gut, das war es noch nicht.
Zum Ende:
Alles in allem war die Story auch kein wenig gestreckt, sie war solide und sehr gut inszeniert.
Gameplay:
Ich weiß echt nicht was ich sagen soll, außer:
Welcher Idiot bei Ubisoft dachte sich, dass mehr Gimmicks = besseres Gameplay bedeutet? Das Gameplay von Far Cry 3 ist zugeballert mit Gimmicks und Zeug, das keiner braucht, oder welches nicht richtig durchdacht war.
Far Cry 3 hat meiner Meinung nach eine Identitätskriese, es will nämlich Far Cry 1, 2, Assassins Creed, Skyrim und vieles mehr gleichzeitig sein. Man kann nicht definitiv sagen, dass Far Cry 3 ein Shooter ist. Ich würde viel mehr sagen, es ist ein Action Adventure, weil das Ballern nur einen geringen Teil ausmacht.
Erkundung wird nur minimal belohnt. Es gibt zwar Kisten, in denen sind aber entweder Munition, Geld oder Verkaufsgut (sprich auch Geld), drin, also nichts besonderes. Besonders bei einem Spiel, welches auf Erkundungstour und RPG macht, wären Waffen oder Korperpanzerungen ganz ideal für solche Truhen gewesen... Aber naja, ein Foto von nem Zwerg belohnt mich immens diesen Steilen Berghang und die Höhle voller Bären durchquert zu haben.
Das Craftingsystem ist meiner Meinung nach ein schlechter Witz, man kann vielleicht knapp 30 Minuten investieren, und hat fast alle höchsten Dinge hergestellt, und kümmert sich dann den Rest des Spiels nicht die Bohne um die Tiere und das Jagen, es sei denn eine Quest besagt das.
Das Skillsystem ist sehr inkonsequent, da man alle Talente lernen und freischalten kann. Warum das so ist, weiß ich nicht, aber am Ende hat man alle Talente, und ist vielleicht zu knapp 3/4 mit dem Spiel durch. Da hat jemand bei Ubisoft nicht aufgepasst.
Das mit den Aussichtstürmen und Außenposten brauch ich nicht weiter erläutern, oder? Wer Assassins Creed Brotherhood gespielt hat, kennt das System, und weiß, dass das nur Lückenfüller und Spielzeitstrecker sind, denn Geld für Waffen hat man genug, man muss sie nicht erst Gratis durch Aussichtstürme freischalten. Intelligenter, und vor allem logischer wäre es gewesen, die Waffen gänzlich zu sperren, und beim deaktivieren der Störsender im Shop zum Kauf verfügbar zu machen. Aber ne, Ubisoft wischt dem Spieler lieber den ***** ab.
Letzendlich rennt man bis zum Ende des Spiels mit voller Brieftasche rum, und hat nichts, wo man das Geld ausgeben kann. Großartig durchdacht!
Und wer hat sich die Nebenmissionen ausgedacht? Zunächst die "Gesucht: Tot" Aufgaben, die sterbenslangweilig sind. Hingehen, mit Messer töten, fertig. Toll.
Die Pfad des Jägers Aufgaben erweise sich schon als kniffliger, aber dennoch das gleiche: Töte "füge Tiername ein" mit "füge zufällige Waffenklasse ein". Dann kommen Dinge raus wie:
"Jage Tollwütige Hunde mit dem RPG."
W.. Was? Wer denkt sich bitte so eine gequirlte Kacke aus?
Dann die richtigen "Nebenmissionen". Ich habe das Gefühl, als seien das die kürzesten aller Missionen. Gefühlte 80% davon liefen so ab: Gehe 50m zu Person B. Gehe zurück zu Person A. Fertig.

Das sind keine Nebenquests, das ist Bullshit. Der gleiche Kack, wie die zufällig generierten Missionen aus Skyrim. Einfach nur Mist, den man am besten links liegen lässt.
Und die Story Missionen erwiesen sich zu einem Großteil als Schlauchlevel (wie ich prophezeit hatte) mit jede Menge Skriptsequenzen und Linearer "Action". Es gab aber auch einige Missionen, in denen man freie Hand hatte, zum Beispiel eine an einer Piratenbucht. Dort konnte man herangehen wie man möchte, oder an dem Schiffswrack (welches mich an Far Cry 1 erinnerte), also war doch nicht alles schlecht.
Also im Ganzen ein viel zu überladenes, aber keinesfalls gut durchdachtes Gameplay. Lediglich Storymissionen und die DLC Missionen lohnen sich richtig gespielt zu werden, den Rest kann man getrost ignorieren, ohne, dass man was verpasst.
PS: Das Gunhandling ist jedoch sehr geil, wurde auf jeden Fall gut gemacht.
Grafik:
Meh. Keinesfalls genial, oder spektakulär. Irgenwo zwischen dem ersten Far Cry und Crysis, aber mehr nicht. Die Belichtung und die Sonneneffekte am Tag sind jedoch super, und vermutlich das Beste an der Grafik.
Die Nacht und Regenwetter jedoch sind ein Witz, und hätte noch lange überarbeitet werden müssen. Warum gucken heutzutage die Entwickler nicht mehr aus dem Fenster, wenn sie sowas entwickeln? Nachts ist es verdammt dunkel, in Far Cry 3 jedoch ist es fast so hell wie am Tag, nur ein wenig blauer. Und bei Regenwetter scheint die Sonne durch die Wolken zu scheinen, weil der Boden noch gelb von der Sonn ist, und sehr deutliche Schatten geworfen werden...
Och wie gerne hätte ich einen richtigen Editor für dieses Spiel...
Die Vegetation lässt an vielen Stellen zu wünschen übrig, und Bäume verhalten sich wie Gummi, sobald man dagegen schießt (realistischer geht's nicht). Das gefälschte Touch Bending ist auch ein schlechter Versuch, und sobald man SSAO oder HBAO an macht, sieht das Spiel aus, als wäre es im Comicstil. Alles wirft schwarze Umrandungen und lässt das Spiel gezeichnet wirken. HDAO aber ist subtil und lässt das Spiel gutaussehen. Problem hierbei ist, dass es am meisten Performance kostet.
Apropos Performance: Da Ubisoft jetzt auch ein happen vom Kuchen abhaben will, und nun meint, ein eigenen Clienten zu haben, und ihn Uplay zu nennen, habe ich viele Probleme mit der Performance von Far Cry 3. Mit Steam UND Ugay muss ich zu viel RAM einbüßen. Nebenbei gemerkt: Ubay verbraucht fasst doppelt so viel RAM wie Steam!
Um die Performance zu steigern musste ich das FXAA per config abstellen (wie das geht erfahrt ihr
hier, so könnt ihr auch Motion Blur und DOF abstellen), das frisst aus irgendeinem Grund die meiste Performance.
Die Grafik ist ein netter Versuch, aber sie ist a) mies optimiert, und b) sieht sie auch nicht so gut aus. Und am Editor erkenn ich auch, dass das ganze rein für Konsole optimiert wurde.
Sound und Musik:
Die Waffensounds sind super, und die Soundkulisse an sich macht auch einiges her. Kein Battlefield 3, aber dennoch sehr solide.
Dennoch, ich spiele das Spiel auf Englisch, und die Soundqualität der Sprache von Gegnern und Nebencharakteren ist unterirdisch. Es klingt wirklich, als seien diese Leute mit einem MP3 Player von Aldi aufgenommen worden. Ähnliches hatte ich bei Assassins Creed 1 in der deutschen Fassung gemerkt, aber die kriegen das wohl heute immer noch nicht hin, nicht mal mit der englischen...
Der Soundtrack von Far Cry 3 ist phänomenal, ich kann von Glück sagen die Digital Deluxe Edition gekauft zu haben, so habe ich den Soundtrack direkt auf meiner Festplatte. Kaum zu glauben, dass der gleiche Komponist den Modern Warfare 3 Soundtrack gemacht hat...
Auf mich wirkt der Soundtrack wie ne Mischung aus Inon Zur (Crysis) und Solar Fields (Mirror's Edge), Dschungel mit Elektro Ambiente, und ich mag beide. Einige Soundtracks kamen immer gut rüber, und wurden in passenden Momenten gespielt.
Wo ich mich jetzt noch aufrege, ist diese hirnzerissene, total dämliche Idee von Ubisoft Skrillex in das Spiel zu holen... Wir erinnern uns:

Zitat von
Link93
Wer hat sich solche hirnrissigen Missionen ausgedacht?
Ja, das war Skrillex, der da Wubwub mit Reggae gemixt hat, und es dann "Musik" nannte. Ich musste die Mission so schnell wie möglich beenden, damit ich das nicht weiter ertragen musste...
Wenn Ubisoft schon meint, sowas unerstes zu machen, dann bitte richtig. Wenn ich Grasplantagen anzünde, und der Hauptcharakter davon High wird, dann sollte er nur normalen Reggae hören, zB. Bob Marley oder so, aber nicht Skrillex...
FAZIT:
Ein Spiel in einer Identitätskrise! Wieder ein Entwickler, der alles tut, um mehr Verkäufe zu bekommen, alles an Serien-idealen wegwirft, um eine breitere Masse an Käufern zu bekommen. Das Spiel versucht alle zu unterhalten, schafft aber den Sprung auf einen Unterhaltsames Spiel in keiner der Gameplay Kategorien, sei es Shooter, RPG oder Action Adventure.
"Jack of all trades, master of none", würde es wohl sehr passend beschreiben.
Referenzen und Eastereggs, in denen Assassins Creed, Bioshock, sowie Kill Bill und andere Popkultur Elemente angesprochen werden, erheitern jedoch das Gemüt, und lockern das ganze ein wenig auf. Über die Misere hinwegtäuschen kann mich das Spiel leider nicht.