Command & Conquer 4 im Test: Viel Neues, wenig Gutes - das Ende einer Strategie-Serie
Der vierte Teil der Tiberium-Saga, so hofften wir noch in der Vorschau zum Titel, würde alle Story-Fäden zusammenführen und auch Taktik abseits des Tankrushs bieten. Die ernüchternde Wahrheit aber zeigt sich nun im Test. Command & Conquer 4: Tiberian Twilight ist ein Actionspektakel mit vielen guten Ansätzen, die leider nur allzu schnell im Sande verlaufen.

Das schnelle, dynamische Spielsystem bringt frischen Wind in die angestaubte Reihe und funktioniert gerade im Mehrspieler-Teil sehr gut.

Die Kampagne strotzt nur so vor einfallslosen Missionen, die darüber hinaus auch noch grobe Logikfehler aufweisen. Zudem verschenkt der Einzelspieler-Part die Chancen des neuen Spielsystems.

Die Einheiten sind im Allgemeinen sehr gut ausbalanciert. Jedem Vorteil steht ein Nachteil gegenüber. So werden auch Anfänger nicht benachteiligt.

Die Rollenspiel-Anleihen sind halbherzig implementiert und fördern die Langzeitmotivation kaum.

Die Entwickler haben gute Ideen in die Benutzerführung eingebaut. So sehen Sie beispielsweise sehr schnell, gegen welchen Feindtyp Ihre Einheiten am besten geeignet sind.

Die Videosequenzen wirken lieblos, die Schauspieler sind teilweise sehr schlecht.
Der Mehrspieler-Modus
Das Spielprinzip von Command & Conquer 4: Tiberian Twilight ist voll auf schnelle Mehrspieler-Partien ausgelegt. Aber funktioniert das auch?
Das Spiel bietet nur einen Mehrspieler-Modus namens Domination. Dabei ringen bis zu zehn Spieler oder KI-Spieler in zwei Teams um Siegpunkte. Diese tröpfeln auf das Konto Ihrer Gruppierung, solange Sie Tiberium-Knoten besetzt halten. Neu ist diese Idee nicht, Dawn of War oder Company of Heroes meistern diese Art des Mehrspieler-Modus schon lange. Das klassenbasierte Gameplay kommt im Multiplayer gut zum Tragen. Auch das Stein-Schere-Papier-Prinzip funktioniert bis auf wenige Ausnahmen sehr gut - und das, obwohl durch das Erfahrungspunkte-System unterschiedlichste Einheiten aufeinanderprallen. Weniger gut sind die Serverfunktionen des Spiels. Sowohl in der Beta als auch im fertigen Spiel (mit dem wir den Mehrspieler-Modus zwei Tage intensiv testen konnten) kamen über Automatch kaum Spiele zustande, der Server-Browser ist zudem unübersichtlich und zu langsam.
Pro:
+Schnelles und unkompliziertes Spielprinzip
+ Ordentliches Balancing
+ Stein-Schere-Papier funktioniert größtenteils gut
+ Klassenbasiertes Gameplay bringt frischen Wind
Contra
- Kaum taktische Möglichkeiten, wenig Anspruch
- Server-Browser zu langsam und unübersichtlich
- Reparatur-Einheiten zu mächtig
- Nur ein Spielmodus, den andere Genrevertreter dazu noch besser machen
- Immer wieder Verbindungsabbrüche
- Automatch-Funktion so gut wie nutzlos
Bugs und sonstige Fehler
Auch der vierte Teil der Tiberium-Saga bleibt von Bugs nicht verschont. Wir zeigen auf, was Ihnen die Spielfreude vermiesen könnte.
In unserem Test traten unverhältnismäßig oft Probleme mit der Wegfindungsroutine von Einheiten auf. Mal blieben unsere Mannen an einem Crawler hängen, mal weigerte sich ein Ingenieur, eine Klippe zu überspringen, oder bewegte sich nur noch im Kreis. Versteckt sich eine Feindeinheit zudem hinter einem Crawler, müssen Sie die Kamera drehen, um sie angreifen zu können, obwohl Sie ihren Umriss als Schatten erkennen.
Auch im Gefechts-Modus gab es Fehler. So endete zum Beispiel eine Partie gegen mehrere Computergegner überhaupt nicht, obwohl alle Siegpunkte uns gehörten und die Zeit abgelaufen war. Einzige Abhilfe: Mission abbrechen. So bekamen wir aber auch keine Erfahrungspunkte. Ebenso ärgerlich sind plötzliche Verbindungsabbrüche oder Abstürze, gerade bei Partien, in denen Sie jede Menge Punkte gesammelt haben.
Grafik
Command & Conquer 4: Tiberian Twilight benutzt noch immer das Engine-Gerüst der Vorgänger und hinkt dementsprechend den Genrekonkurrenten hinterher. Die Einheitenmodelle sind gut animiert, die Gebäude- und Landschaftstexturen dagegen karg und matschig. Effekte wie Explosionen stellt das Spiel gut und ausladend dar. Im Ganzen wirkt der vierte Tiberium-Teil aber - gerade durch die vielen Effekte, Kringel und Linien um die verschiedenen Einheiten - zu bunt und überladen.
Steuerung
Die Maus-Steuerung orientiert sich am Standard der Reihe. Menüs und Benutzeroberfläche sind aufgeräumt und funktional. Viele Tastaturkürzel sind allerdings doppelt belegt. Wenn Sie sich im Einheiten-Reiter befinden, produziert F1 zum Beispiel einen Ingenieur, im Upgrade-Reiter hingegen bewirkt dieselbe Taste etwas anderes. Die Buttons für Spezialfähigkeiten der Einheiten wie Fahrzeug-Übernahme gehen im Getümmel komplett unter, was dieses an sich coole Feature überflüssig macht. Der Recycling-Befehl für Einheiten lässt sich nicht rückgängig machen.
Kopierschutz
Um das Spiel zu installieren und zu starten, müssen Sie es mit Ihrem EA-Account verbinden. Ein Weiterverkauf wird so fast unmöglich. Außerdem müssen Sie ständig online sein, um zu spielen. Bricht die Verbindung ab, bekommen Sie keine Erfahrungspunkte.
http://www.pcgames.de/aid,706694/Com...rie/PC/?page=3