Knapp 300 Pressevertreter aus aller Welt drängelten sich in den Temple-Nachtclub in San Francisco. Nicht, um zu tanzen, sondern um einer Weltpremiere beizuwohnen: Electronic Arts und DICE Stockholm hatten zu den ersten live gespielten Szenen aus Battlefield 3 geladen. Nach kurzer Begrüßung durch Karl Magnus Troedson, General Manager DICE, griff sich Ben Cousins. General Manager des EA-Studios EASY das Mikrophon und meinte: "Ich bin die Vorgruppe." Cousins gab ein kurzes Update über den am 4. April erscheinenden Free-to-Play-Titel "Battlefield Play 4 Free", an dessen Beta-Test bislang rund 600.000 Spieler teilgenommen haben, kündigte an, dass die Entwickler im Sommer Clan-Support und Server-Browsing implementieren wollen und beendete seine kurze Ansprache mit einem Spielvideo, unterlegt mit den Klängen der schwedischen Hardrocker Corroded.
Battlefield 3 meets Frostbite 2
Anschließend betrat Patrick Bach die Bühne, seines Zeichens Executive Producer von Battlefield 3. Er spannte die Zuhörer mit ein paar Fakten zur neuen Frostbite-2-Engine weiter auf die Folter: bessere Animationen, detaillierte und großformatige Zerstörungen, große Spielgebiete von der Großstadt bis zum Gletscher stemmt Frostbite 2 ohne Probleme - dynamische Radiosity-Effekte sowie partial lighting inklusive. "Unsere Haupt-Entwicklungs-Plattform ist der PC", verkündete Patrick Bach, was einige im Publikum mit Jubelrufen quittierten. Nun ließ Back seinen Worten Taten folgen und setzte sich an den PC, um uns einige Szenen aus Battlefield 3 zu präsentieren.
Battlefield 3: Spielszenen der PC-Version
Wir finden uns im Jahr 2014 an der Grenze von Iran und Irak wieder, wo Koalitionstruppen unter der Leitung von US-Marine-Einheiten für Ruhe und Ordnung sorgen sollen. Als erfahrener Staff Seargeant Henry "Black" Blackburn nehmen wir an einem Einsatz teil, bei dem wir eine vom Hauptquartier getrennte Patrouillegruppe suchen und vor den lokalen Terroristen finden müssen. Vorsichtig durchkämmen wir mit unserer Einheit einen Straßenmarkt, dessen anliegende Häuser sich optisch korrekt im Visier unseres Gewehr spiegeln. Die Sonne scheint ihr überstrahlt-blendendendes Gegenlicht in unsere Richtung, wir betreten ein verlassenes Schulgebäude und kürzen so den Weg zu einer vierspurigen, jedoch nur noch von Militärfahrzeugen genutzten Hauptstraße ab.
Auf der anderen Seite der Straße geht es in das nächste Gebäude, durch dessen geöffnete Treppenhausfenster Lichtfinger in den Staub greifen, den unser Team aufwirbelt. Von den Kameraden beziehungsweise den Terroristen fehlt noch jede Spur. Hinter dem Gebäude: ein Parkplatz. Die subtilen, kinoreifen Harmonien verstummen und unmittelbar darauf passieren mehrere Dinge gleichzeitig: Ein Schuss aus einem Scharfschützengewehr zerreißt die Stille, einer unserer Kollegen geht getroffen zu Boden und unsere Mitstreiter erwidern das Feuer mit ohrenbetäubenden Salven ihrer Maschinengewehre. Nur noch Stimmengeschrei und Waffenlärm begleiten unsere hektischen Bemühungen, den verwundeten Krieger aus der Schusslinie zu ziehen und dann unseren Freunden beizustehen, die versucht, die hinter parkenden Autos und auf den Balkonen eines gegenüberliegenden Hauses verschanzten Gegnern beizukommen. Einer unserer Schüsse trifft dabei erst die Balkonwand, die nach einem zweiten Einschlag zerbröselt und den sich dort versteckten Gegner freigibt. Einer weniger. Wir können den feindlichen Beschuss jedoch nur begrenzt stoppen und ziehen uns daher zurück, um vom Dach des Gebäudes den Scharfschützen ausfindig zu machen.
Battlefield 3: Es geht spannend weiter
Auf dem Dach fliegen die Kugeln tief: Wir rücken erst im Schutze einiger Aufbauten vor, müssen dann jedoch auf den Boden der Tatsachen ausweichen und robben Meter für Meter an den Rand des Daches. Gegenüber: ein leerstehendes Hotel, von dem aus immer wieder Mündungsfeuer aufblitzt. Mauerteile und kaputte Blumentöpfe sausen uns wie Schneeflocken um die Ohren, während aus getroffenen Dampfleitungen ein feiner Wassernebel strömt. Nach kurzer Beratschlagung schieben uns unsere Kameraden einen Raketenwerfer zu, springen auf und geben uns Feuerschutz, während wir beherzt ein mächtiges Projektil in Richtung der Hotelfassade abfeuern. Mit durchschlagendem Erfolg: Die nicht schon ohnehin kaputten Fenster zersplittern, das Neonschild der Herberge stürzt an einer Seite hängend herab - und der Scharfschütze vergeht in der Explosion, die die Rakete bei ihrem Einschlag verursacht.
Szenenwechsel. Wir haben die vermisste Einheit gefunden, doch bei der Flucht Im Treppenhaus hat unsere Einheit ein verdächtiges Kabel entdeckt. In einem Gewirr aus Lüftungsschächten dringen wir in den Keller ein, wo an dessen Ende tatsächlich der Auslöser einer hausgemachten Bombe auf unvorsichtige Besucher wartet, die mit dem Kabel den Sprengsatz zünden. Kinoreif beginnen wir mit der Entschärfung, werden allerdings von einem Terroristen dabei gestört. Mit der immer schneller und lauter piependen Sprengvorrichtung in den Ohren entbrennt ein verbissener Faustkampf Mann gegen Mann, den wir in letzter Sekunde für uns entscheiden und in bester James-Bond-Manier die Bombe gerade noch rechtzeitig deaktivieren.
Battlefield 3: Spielszenen der PC-Version das Finale
Zum großen Finale ziehen die Entwickler alle Register: Auf der bereits gesehenen Hauptstraße gilt es, den Hubschraubern Feuerschutz zu geben, die uns aus dem Gefechtsfeld ausfliegen wollen. Das ist leichter gesagt als getan: Zuerst müssen wir die Feinde von einem Fußgängerüberweg wegputzen und anschließend von dort aus weitere Gegner ins Visier nehmen, die sich hinter ausgebrannten Autos verstecken. Doch auch die Terroristen schießen scharf: Die schützenden Wellblechwände des Überwegs werden zunehmend poröser. Hilfe kommt aus der Luft, denn die Helikopter lassen ihre ganze Feuerkraft spielen. Einige Autos explodieren, mit ihnen unsere Kontrahenten. Auf dem Weg zum Landeplatz springen wir auf die Ladefläche eines am Straßenrand stehenden Jeeps, um mit dem dort installierten, großkalibrigen Geschütz den Kameraden Feuerschutz zu geben. Doch die deuten erregt schreiend auf ein Hochhaus auf der anderen Straßenseite: Mit enormem Getöse bricht das wenige Sekunden später zusammen und hält dabei genau auf uns zu. Der Bildschirm wird schwarz, nur noch die Stimme eines Nachrichtensprechers ist zu hören, der von schweren Erdbeben im Grenzgebiet Iran-Irak berichtet.
Battlefield 3-Event: Obacht, Activision
Hossa! Was DICE Stockholm hier für ein Action-Feuerwerk abbrennt, muss den Shooter-Designern bei Activision Angst und Schrecken einjagen. Zwar wissen wir nicht, ob DICE das Tempo und die Action-Dichte dieses Levels das ganze Spiel hindurch aufrecht erhalten kann, ob es mehr als nur einen Wege durch einen Level gibt oder wie sich Battlefield 3 abwechslungs- und mehrspielertechnisch schlägt. Doch am Ende des live gespielten Levels sehen wir in rascher Schnittfolge ein Panzer-Batallion, Elite-Soldaten, die von einer schneebedeckten Klippe in den Abgrund springen sowie mit infernalischem Getöse durch den Himmel pflügende Kampfjets, sowohl aus der Außen- als auch der Cockpit-Perspektive. Das soll wohl heißen: Keine Sorge, wir wissen, was ihr erwartet - und das werden wir auch abliefern. Wir hoffen es sehr und freuen uns schon darauf, Maus und Tastatur selbst einmal in die Hand nehmen zu können.