Ein dramatischer Betrug am Verbraucher?
Der Dokumentarfilm „
Bulb Fiction“ deckt auf, wie Energiesparlampen unsere Gesundheit bedrohen
Was soll man tun, wenn eine Energiesparlampe zerbricht? Der Licht-Designer Gad Giladi zeigt uns sein Notfall-Kit: „Dann sollten sie besser das hier haben. Es gibt hier Stiefel, eine Maske, Schutzkleidung für den Körper. Chemikalien, die man über das Quecksilber sprühen muss. Es gibt einen kleinen Besen, um alles aufzukehren und ein paar Tücher zum Aufwischen. Das ist alles sehr kompliziert. Es sieht also so aus, als wäre Quecksilber eine sehr gefährliche Sache. Und wir wissen, dass das auch so ist.“
Gefährliches Quecksilber
Wie gefährlich Quecksilber ist, zeigt der Fall von Familie Laus aus Linden in Oberbayern. In ihrem Haus ist eine einzige brennende Energiesparlampe zerbrochen. Seitdem ist der kleine Sohn Max krank. „Es war im Winter, als das passiert ist“, erinnert sich Max‘ Vater Christian Laus. „Zwei, drei Wochen später kamen die Kinder vom Schneemannbauen rein. Wir haben ihm die Mütze runter genommen und da waren Haare drin. Es ging dann so weit, dass man die Haare nehmen konnte, einfach so wegziehen.“
Haus unbewohnbar
Das Haus ist nach dem Unfall auf Jahre unbewohnbar, die Familie bei Nachbarn untergekommen. Durch eine zerbrochene Energiesparlampe wird der Quecksilber-Grenzwert für Wohnräume um das Zwanzigfache überschritten. Und Max hat immer wieder Zitterschübe. Wahrscheinlich eine Folge des giftigen Quecksilberdampfs.
"Extrem toxisch"
„Es reichen ganz geringe Mengen, um böse Krankheiten auszulösen“, sagt der Umweltmediziner Joachim Mutter. „Quecksilberdampf ist extrem toxisch, weil dieser Quecksilberdampf über die Atmung praktisch komplett resorbiert wird.“ Das passiert dann in unserem Gehirn: Das Quecksilber zerstört Nervenzellen. „Das reichert sich an und macht immer mehr krank“, sagt Gary Zörner, Chemiker LAFU Delmenhorst. „Jedes kleinste bisschen Quecksilber macht auch ein klein bisschen dümmer, weil es das Gehirn angreift.“
Ganzer Betrieb vergiftet
Regisseur Christoph Mayr reist nach Huddersfield in der Nähe von Manchester. Eine Recyclingfabrik. Hierher kommen korrekt entsorgte Energiesparlampen. Die Gefahr durch Quecksilberreste in den Lampen haben die Betreiber lange unterschätzt. Vor vier Jahren hat sich hier die gesamte Belegschaft mit Quecksilber vergiftet. Als das Gesundheitsamt kommt und die Fabrik dichtmacht, ist es für manche Arbeiter schon zu spät. Ihre Gesundheit ist für immer ruiniert. „Ich habe immer wieder Probleme, mich an Dinge zu erinnern“, sagt Andrew Makison, der damals Praktikant war. „Zuerst war mir gar nicht klar, dass das irgendwas mit dem Quecksilber zu tun haben könnte. Als dann die Symptome klarer wurden, dachte ich mir: Warum hab ich das nicht eher erkannt? Das Zeug schleicht sich an einen heran, ohne dass man was merkt. Bis es zu spät ist.“
Quecksilber im Trinkwasser
Ein EU-weites Entsorgungskonzept gibt es. Allerdings hält sich kaum einer daran. Laut einer EU-Studie landen 80% der Lampen auf der Mülldeponie. Und das Quecksilber im Trinkwasser. In Deutschland kommen Quecksilber-Abfälle in die Untertagedeponie Herfa-Neurode – auf die größte Sondermülldeponie der Welt. Eine Zwischenlösung. Ein Endlager gibt es nicht. Wie beim Atommüll.
"Das Geschäft gewittert"
Trotzdem: Die Energiesparlampe soll demnächst in allen Haushalten brennen. Verordnet durch die EU-Kommission in Brüssel. Das Parlament wurde nicht gefragt. Dafür saßen in der Arbeitsgruppe, die das Gesetz entworfen hat, Umweltverbände. Und Wirtschaftslobbyisten. Denn die Hersteller verdienen gut an den teuren Energiesparlampen. „Warum sollte nicht die Lichtindustrie mit der Politik dasselbe machen, was die Bankbranche mit der Politik gemacht hat“, sagt der Wirtschaftswissenschaftler Max Otte. „Nämlich sich letztlich die Regeln selber schreiben und die Politik das Ganze abnicken lassen.“ Und Holger Krahmer, EU-Parlamentarier der FDP weist auf das deutliche Interesse der Industrie hin: „Wir haben in Europa bloß noch zwei maßgebliche große Hersteller von Glühlampen. Osram und Philips. Und natürlich saßen die da mit dabei und haben an dieser Stelle das Geschäft gewittert.“
Fragwürdige Studie
Die wissenschaftliche Grundlage für den Zwang zur Energiesparlampe ist, das zeigt der Film, eine fragwürdige Studie. Quecksilber wurde dafür nur in zerstörten Lampen gemessen – der gefährliche Quecksilberdampf ist da schon längst weg. Wissenschaftler kritisieren, dass man den Quecksilbergehalt in Energiesparlampen eigentlich aufwändig hätte untersuchen müssen, in einem Kernreaktor oder Atomforschungszentrum. Die EU hat sich diesen Aufwand gespart. Außerdem wurden viel zu wenige Lampen untersucht. Um genau zu sein: fünf. „Das kann nur ein Scherz sein“, sagt Georg Steinhauser, Physiker an der TU Wien. „Das entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage, dass man mit einer Samplegröße von fünf Stück auch nur annähernd eine verlässliche Aussage bekommen möchte.“
Gravierende Umweltprobleme
Zwei Jahre lang haben Regisseur Christoph Mayr und sein Team für den Film recherchiert. In „Bulb Fiction“ kommen Wissenschaftler, EU-Vertreter und die Hersteller zu Wort. So ist ein Dokumentarfilm entstanden, bei dem sich der Zuschauer selbst ein Bild machen kann. Er zeigt wie aus dem guten Willen, Energie zu sparen, neue gravierende Umweltprobleme entstehen. Nach 90 Minuten im Kino hat man nur noch den Wunsch, schnell nach Hause zu fahren und alle Energiesparlampen aus der Wohnung zu verbannen. Und es bleibt das Gefühl, als Verbraucher einer Riesen-Täuschung aufgesessen zu sein.
(Autor: Klaus Uhrig)