Ergebnis 1 bis 10 von 42

Thema: Olympia 2008 - Sammelthread

Baum-Darstellung

Vorheriger Beitrag Vorheriger Beitrag   Nächster Beitrag Nächster Beitrag
  1. #15
    Erfahrener User
    Registriert seit
    08.08.2007
    Beiträge
    278

    Standard

    Für mich haben/hatten die Olympischen Spiele denselben sportlichen Wert wie die Tour de France. Insofern tangiert mich dieses Event nicht einmal peripher...

    Zu den Boykottforderungen:
    Die Spiele aufgrund der chinesischen Innenpolitik zu boykottieren ist meiner Meinung nach Unfug. Der v.a. durch zwei gewisse "Leitmedien" forcierte antichinesische Aktionismus hierzulande ist absolut übertrieben, denn der Tibetkonflikt existiert schon seit Jahrzehnten und es hat niemanden interessiert (mal abgesehen von vereinzelten Unruhen), solange China ein guter Wirtschaftspartner war. Der breiten Masse reichte es, wenn ihr/e Kanzler/In oder der Außenminister gelegentlich der faschistoiden Führung Chinas einen Besuch abstattete, eine Menge Verträge abschloss und mediengerecht die obligatorische Anmahnung der Menschenrechtslage absolvierte.
    Doch plötzlich eskaliert der Konflikt wieder und zwar medienwirksamer den je, da der Westen mittlerweile Angst vor den erstarkenden Wirtschaftsmächten Asiens hat und ein probates Mittel zur Erzeugung einer antichinesischen Stimmung benötigt. Was eignet sich dazu besser als die Bilder einiger unterdrückter Tibeter?
    Warum gerade jetzt, in der Vorbereitung zu den Olympischen Spielen, neue Unruhen entstehen, hinterfragt niemand. Und so tourt der unantastbare Politker in Mönchsrobe, der Dalai Lama, fröhlich lächelnd durch die westliche Medienlandschaft, auf seinen Forderungen beharrend und kritischen Fragen ausweichend. Und selbst letzteres scheint wieder niemanden zu berühren - verständlicherweise, denn wer eine antichinesische Stimmung forcieren will, kann keine Zweifel an der tibetischen Opferrolle gebrauchen, obwohl diese in diesem Fall durchaus angebracht sind.
    Warum genau sollte man die Olympischen Spiele also boykottieren? Weil China dieselbe Innenpolitik macht, wie zum Zeitpunkt der Vergabe des Events?

    Oder vielleicht weil China die Rechte der Besucher der Olympischen Spiele mit Sicherheit einschränken wird?
    Erinnert sich noch jemand an die No-Go-Areas während der WM 2006?
    Welche Freiheitsrechte nun eingeschränkt werden ist meiner Meinung nach egal. Beide Situationen sind im selben Maße inakzeptabel und warum sollten wir uns nun anders verhalten als unsere Gäste vor zwei Jahren?

    Der einzige Punkt, in dem die chinesische Politik wirklich begründet angreifbar ist, ist die Behandlung der Reporter während der Olympischen Spiele. Allerdings ist dies nicht China allein sondern insbesondere auch dem IOC anzulasten, denn die Irreführung der westlichen Medien geschah in Kooperationsarbeit. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Leitung des IOC von Beginn an den chinesischen Kurs vertrat und lediglich die Zugeständnisse an China vertuscht hat. Wie in den letzten Tagen zu erfahren war, existiert ja sogar ein IOC-internes Dokument, welches den IOC-Mitgliedern normierte, prochinesische Antwortfloskeln für den Umgang mit kritischen Medienfragen diktiert. Anzuprangern ist in diesem Fall also weniger China als vielmehr das IOC für dessen deutlich verfehlte Politik gegenüber den Medienvertretern.

    Summa summarum bleibt also nicht viel, was man den Chinesen anlasten könnte. Aber die werten BILD- und Spiegel-Leser sehen das mit Sicherheit anders und werden in nachfolgenden Posts mal wieder die gelbe Gefahr heraufbeschwören.

    Also: Happy Bashing!

    MfG, tym
    Geändert von tym (04.08.2008 um 14:27 Uhr)

Stichworte

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •