Ich gehe wählen - natürlich.
Nichtwähler aus der Gesellschaft auszuschließen ist aber auch nicht der richtige Weg. Leute die "ihre" Partei wählen:
Sie sind am politischen Geschehen in ihrem Land sehr interessiert und stimmen mit den Zielen der Partei überein
oder wählen die, die ihnen am meisten zusagt.
Leute die nicht wählen gehen:
Signalisieren, dass es ihnen am Hintern vorbei geht und/oder sie mit der aktuellen politischen Situation zufrieden sind,
was man aber auch zeigen könnte, indem man die aktuell an der Macht stehenden Parteien wieder wählt.
Das Argument: "Jeder der nicht wählt, gibt seine Stimme der (z.B.) NPD" stimmt in dieser Hinsicht schon (teilweise).
Denn die Randparteien, die kleinen mit wenigen Mitgliedern, wollen noch etwas verändern, ihre Partei nach vorne bringen.
Bei den Anhängern dieser Partei wird die Wahlbeteiligung deswegen Tendenz 100% betragen.
Bei den Leuten, die allerdings den großen Parteien anhängen, ist die Wahlbeteiligung geringer, weil ihre Partei ja schon vorne mitfährt und bestimmt.
Demnach sind sie mit der Situation zufrieden und ihr Einsatz für die Partei sinkt.
Das sind dann auch die traditionellen Nichtwähler (neben denen, die einfach zu faul sind oder die Tragweite des demokratischen Systems nicht verstehen).
Dennoch sind "Nichtwähler" nicht zu verteufeln, da sie in kritischen Situationen oft selbst einsehen,
wann allerhöchste Zeit ist doch mal wählen zu gehen.
Erinnere da gerne an die letzte Präsidentschaftswahl in Frankreich, wo es der Rechtsextreme bis ins "Finale" geschafft hat
- die Leute haben Angst bekommen und auf einmal schoss die Wahlbeteiligung in die Höhe.
Leute die wählen gehen und ungültig machen:
Signalisieren, dass sie ihr Wahlrecht ausüben und durchaus an der Politik ihres Landes interessiert sind,
sich allerdings nicht mit den Parteien, die sich zur Wahl stellen, identifizieren können.
Und die Behauptung bei uns gäbe es genügend Parteien mit unterschiedlichen Zielen ist alles andere als realistisch und informiert,
was allein daran liegt, dass eine Partei im Laufe ihrer "Regierungszeit" über nahezu unendlich viele unterschiedliche Belange entscheiden muss.
Sympatisiert man zum Beispiel mit der CDU, aber eines deren Ziele kann man so überhaupt nicht vertreten,
wird man wohl kaum eine Partei finden, die genau die Ansichten der CDU hat, mit Ausnahme dieses einen Punktes ... Und Achtung: "Richtig ungültig machen" will gelernt sein.
Macht man zum Beispiel 2 Kreuze in einer Spalte, weil man eine Partei mit gemischten Zielen der angekreuzten Parteien bevorzugen würde,
fällt das bei den Wahlhelfern unter "zu dumm die Anweisungen zur Wahl richtig zu lesen".
Streicht man allerdings Parteien durch oder schreibt seine Meinung auf den Zettel oder malt einfach nur eine Hand mit ausgestrecktem Mittelfinger,
so wird generelle Unzufriedenheit mit den zur Wahl stehenden Parteien symbolisiert. Dies ist die "richtige" Methode seine Stimme ungültig zu machen.
Und da ungültige Stimmen sehr wohl in der Statistik auftauchen, kann dies ein sehr deutliches Zeichen setzen.
Und wenn es nur dazu dient, einen dieser "Ungültigwähler" in seiner Auffassung zu bestärken, dass viele Leute mit den Parteien nicht zu frieden sind
und er auf die Idee kommt eine eigene zu gründen, so ist dies schon ein großer Erfolg.
Denn neue Parteien müssen nicht umbedingt absolut neue Meinungen zu bestehenden Themen aufweisen,
sondern können auch einfach eine Mischung aus schon bestehenden darstellen.
Nun kommen wir zu den Protestwählern:
Die - meiner Meinung nach - dümmste der genannten Gruppen.
Sie sind wie die "Ungültigmacher" einfach nicht mit den zur Wahl stehenden Parteien einverstanden.
Oder sie haben jahrelang eine Partei gewählt/ haben einen Favoriten, sind aber so gar nicht mit dem einverstanden,
was diese Partei dem letzt so angestellt hat / was sie nun als Ziel bei der aktuellen Wahl angibt.
In jedem Fall jedoch wählen sie einfach eine Partei, die ihnen eigentlich gar nicht zusagt oder die sie sogar als verrückt empfinden,
nur um es "denen zu zeigen".
Erinnert mich immer an jüngere Schüler, die ihren Eltern oder Lehrern drohen nicht mitzuarbeiten oder eine sechs zu schreiben,
wenn ihre Wünsche nicht erfüllt werden.
Dass sie sich damit ins eigene Knie schießen merken sie jedoch nicht.
Jeder Protestwähler sollte sich im Klaren sein,
dass seine Stimme, neben deren die die Partei wirklich mögen/wählen und seinen "Mitidioten", dazu beitragen könnte,
dass diese Partei wirklich in den Bundestag einzieht. Schaden kann man sich im Endeffekt nur selbst damit.
Zu letzt sollte man noch anmerken, dass dieser "Wahl-o-Mat" zwar ein nettes Spielzeug ist und vielleicht die Einleitung
der eigenen Informationsreihe über Partien darstellen kann, aber keinesfalls ausreichend ist um nach ihm wählen zu gehen.
Regelmäßig Zeitung lesen oder anstatt "Explosiv" lieber die Nachrichten in den "Öffentlichen" einschalten wäre ein Anfang.