Das Studentenleben ist nicht einfach. Da wollen der gute Rick und seine Freundin (und Kommilitonin) Jennifer nur eine alte Villa betreten, schon wird das Mädel vom bösartigen Lehrer Dr. West entführt und Rick schwer verwundet. Er überlebt nur dank einer alten Maya-Maske, die ihm übermenschliche Kräfte verleiht, dafür aber auch mit Blut gefüttert werden will. Nicht oscarverdächtig – aber wer ein Spiel namens Splatterhouse spielt, tut das sicherlich nicht der Story wegen.
Neuorientierung
Seit Längerem war es still geworden um die Neuauflage der Spieleserie. Nachdem Publisher Namco Bandai mit dem Projekt nicht zufrieden war, nahm er einen Teil des urprünglichen Entwickler-Teams BottleRocket Entertainment einfach unter seine Fittiche und werkelt nun auf eigene Faust an Splatterhouse. Etwa die Hälfte der Spielelemente wurde übernommen, die andere Hälfte wurde über Bord geworfen und von Grund auf neu entwickelt. Herausgekommen ist ein Mix aus Action-Titeln wie God of War und den Ursprüngen der Serie. Die meiste Zeit steuert ihr Rick aus der Verfolgerperspektive durch die Villa und stellt euch allerlei widerlichen Kreaturen, die auch direkt aus einem Clive-Barker-Film stammen könnten. Doch auch die Villa selbst ist ein lebender Organismus, der den Eindringling loswerden will.
Mit jedem Gegner, den ihr zu Klump prügelt, füllt sich eine spezielle Leiste, „Brutal Meter“ genannt. Wenn das Maximum erreicht ist, dürft ihr euch für kurze Zeit in einen unverwundbaren Berserker mit verheerenden Spezialattacken verwandeln. Doch auch schon vorher schaltet ihr je nach Füllgrad der Leiste neue Angriffe frei. Hin und wieder wird außerdem ein sogenannter „Splatterkill“ verfügbar. Dann nehmt ihr eure Gegner in Quicktime-Events wortwörtlich auseinander – nichts für Zartbesaitete. Und wer schließlich keine Lust hat, alles mit den Fäusten zu regeln, greift einfach auf mehrere Hieb- und Klingenwaffen sowie eine Schrotflinte und eine Kettensäge zurück. Dass es bei all diesen Aktionen nicht gerade unblutig zugeht, ist logisch. Das Blut bildet dabei Lachen auf dem Boden oder tropft von Wänden, sodass Umgebungen schnell rot eingefärbt werden. Der Protagonist kann sogar einen Arm verlieren, der dann langsam wieder nachwächst. Währenddessen ist die Spielfigur natürlich in ihren Aktionen eingeschränkt, man kann Gegner allerdings mit dem abgehackten Arm verprügeln. Zum Glück nimmt sich das Spiel selbst jedoch nicht allzu ernst, sodass solch übertriebene Gewalt*szenen nicht abstoßend wirken, sondern einigermaßen stimmig in das trashige Gesamtbild passen.
Damit der Spielverlauf nicht zu schnell durch ständiges Gegner-Vermöbeln langweilig wird, unterbrechen immer wieder Rätsel oder Anspielungen auf die älteren Vertreter der Serie die Action-Szenen. Zugegeben, die Rätsel der uns gezeigten Version waren nicht sonderlich anspruchsvoll und hatten letztlich auch nur mit der blutigen Beseitigung von Feinden zu tun. Allerdings waren sie eine willkommene Abwechslung im Spielgeschehen. Bei den Retro-Abschnitten hingegen wird es viel interessanter. Hier wird die Kamera festgefroren und aus dem 3D-Actionspiel wird ein 2D-Sidescroller, in dem ihr Hindernissen wie riesigen Sägeblättern sowie Gegnern ausweichen müsst. Überhaupt steckt viel Liebe zum Detail in Splatterhouse, was Fans der Serie freuen wird. In den Sidescroll-Passagen beispielsweise erklingt an die 80er-Jahre angelegte Synthi-Musik, während der Rest des Spiels zu rockigeren Stücken abläuft. Begegnungen mit den teils riesigen Bossgegnern werden außerdem durch lizenzierte Metal-Songs von Bands wie Mastodon untermalt. Als Bonbon dürft ihr sogar die emulierten Vorgängerspiele freischalten.
Stilmittel
Zu diesem guten Eindruck im Bereich Sound gesellt sich ein stimmiger Grafiklook. Zwar ist das Spiel technisch nicht überragend, aber dank des eigenen Stils, der übertriebenen Blutdarstellung und der dezent eingesetzten Cel-Shading-Technik wirkt Splatterhouse insgesamt sehr comicartig. Dieser Eindruck wird durch die Mitarbeit des Ex-Marvel-Zeichners Dave Wilkins nur weiter verstärkt. Als Inspiration für die Gestaltung gibt man bei Namco Bandai übrigens die Werke von H.P. Lovecraft an – neben den Vorgängern, versteht sich. In den USA erscheinen zudem zeitnah ein Splatterhouse-Skateboard sowie Splatterhouse-Turnschuhe. Ob diese absurde Merchandising-Welle auch nach Europa schwappt und ob das Spiel ungekürzt bzw. überhaupt in Deutschland erscheint? Das wissen wir wohl erst Ende des Jahres, wünschenswert wäre es.
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