Die drei gestern festgenommenen mutmaßlichen Al-Kaida-Mitglieder haben nach den Ermittlungen deutscher Sicherheitsbehörden ein Attentat in Deutschland geplant. Ein mögliches Ziel für einen Anschlag hätten demnach Veranstaltungen im Großraum Düsseldorf sein können. Wie der stellvertretende Generalbundesanwalt Rainer Griesbaum in Karlsruhe mitteilte, gab es aber noch kein genaues Anschlagsziel. Die mutmaßlichen Mitglieder des Terrornetzwerks Al-Kaida seien "noch in der Experimentierphase" gewesen. Sie hätten konkret geplant, einen mit Metallteilen versetzten Sprengsatz in einer größeren Menschenmenge zur Explosion zu bringen.
Zuvor hätten die drei repräsentative Gebäude besichtigt und im Internet Anleitungen zum Bombenbau heruntergeladen. "Wir haben aber keine Anhaltspunkte dafür, dass einer der Täter sich als Suizidattentäter einsetzen lassen wollte", sagte der Präsident des Bundeskriminalamts, Jörg Ziercke.
Nach
SWR-Informationen wurden zwei der Verdächtigen gestern in Düsseldorf und einer in Bochum festgenommen, nachdem sie bereits seit einiger Zeit beobachtet worden waren. Demnach ist ein Verdächtiger 19, einer 29 Jahre alt und der dritte zwei Jahre älter. Einer ist Marokkaner, einer Deutsch-Marokkaner und einer Deutsch-Iraner. Der Vorgang hatte beim BKA den Decknamen "Komet". Im Rahmen der Observation bemerkte die Polizei, dass die drei Männer versuchten, mit Hilfe von Chemikalien Bomben zu bauen. Damit ähnelt der Vorgang im Ablauf der Überwachung der sogenannten Sauerlandgruppe, die 2007 beim Versuch festgenommen worden war, Sprengstoff herzustellen.
Gegen den mutmaßlichen Anführer des Trios, den 29 Jahre alten marokkanischen Staatsbürger Abdeladim El-K., erließ der Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs (BGH) Haftbefehl.
Auftrag für Attentat in Deutschland
Laut stellvertretendem Generalbundesanwalt Griesbaum belegen aktuelle Erkenntnisse der Ermittler, dass Al-Kaida in Deutschland Anschläge plant. Einer der drei Beschuldigten habe 2010 von einem hochrangigen Mitglied der Terrororganisation den Auftrag für einen Anschlag in Deutschland erhalten. Ziercke, berichtete, der Hauptbeschuldigte habe sich seit November 2010 illegal in Deutschland aufgehalten, um die Vorbereitungen für ein Attentat zu treffen. Es habe Verbindungen nach Österreich, Marokko und in das Kosovo gegeben. Der Anschlag in Marrakesch am Donnerstag mit 16 Toten hätte ein stimulierendes Ereignis für die Festgenommenen sein können. Es könne keine Entwarnung gegeben werden, betonte Ziercke. Das BKA-Lagebild zeige, dass islamistische Terrornetzwerke weiter versuchten, nach Deutschland einzuwirken. Der Vorgang um die Gruppe sei noch nicht vollständig aufgeklärt.
Nach Angaben des Bundesinnenministeriums führt die Bundesanwaltschaft seit dem 15. April ein Ermittlungsverfahren gegen die drei Männer. Das BKA sei aber schon seit mehr als sieben Monaten in dem Fall engagiert. Es gebe Bezüge zu der Terrorwarnung, die der damalige Innenminister Thomas de Maizière im
vergangenen November ausgesprochen hatte, so das Ministerium. Darin hatte De Maizière vor möglicherweise bevorstehenden Terroranschlägen islamistischer Terroristen in Deutschland gewarnt. Im Februar waren einige zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen wieder eingestellt worden, De Maizière hatte aber zugleich betont, dass die Gefahr noch nicht gebannt sei.